Altersvorsorge bedeutet, schon heute Geld für den Ruhestand aufzubauen, weil die gesetzliche Rente allein den gewohnten Lebensstandard meist nicht hält. Sie ruht auf drei Säulen — gesetzlicher, geförderter und privater Vorsorge. Als grobe Orientierung brauchst du im Alter rund 80 Prozent deines letzten Nettoeinkommens; was die gesetzliche Rente davon nicht deckt, ist deine Versorgungslücke. Entscheidend ist, früh und regelmäßig zu sparen.
Was ist Altersvorsorge?
Das Drei-Säulen-Modell
Wie viel Geld brauche ich im Alter?
Die Versorgungslücke verstehen
Wie viel sollte ich sparen?
Wann sollte ich anfangen?
Die ersten Schritte
Häufige Fragen
Die gesetzliche Rente sinkt im Verhältnis zum letzten Gehalt seit Jahren, während die Lebenserwartung steigt. Wer den gewohnten Lebensstandard im Ruhestand halten will, kommt um zusätzliche Vorsorge kaum herum. Diese Seite erklärt die Grundlagen verständlich: was Altersvorsorge ist, wie die drei Säulen zusammenspielen und vor allem, wie viel du überhaupt brauchst. So bekommst du eine erste Orientierung, bevor du dich für einzelne Bausteine entscheidest. Stand: Juni 2026.
Was ist Altersvorsorge?
Altersvorsorge umfasst alle Maßnahmen, mit denen du finanziell für die Zeit nach dem Erwerbsleben vorsorgst. Das Ziel ist einfach: Wenn das Arbeitseinkommen wegfällt, soll genug Geld da sein, um den Lebensunterhalt und die gewohnten Ausgaben weiter zu decken. In Deutschland übernimmt die gesetzliche Rentenversicherung dabei das Fundament — doch sie ist als Teilabsicherung angelegt, nicht als Vollversorgung. Die Differenz zwischen dem, was du im Alter brauchst, und dem, was die gesetzliche Rente leistet, schließt du mit eigener Vorsorge.
Wichtig ist der Zeitfaktor: Altersvorsorge wirkt über Jahrzehnte. Je früher du beginnst, desto stärker arbeitet der Zinseszinseffekt für dich, und desto kleiner sind die monatlichen Beträge, die du zurücklegen musst. Wer spät startet, muss den geringeren Anlagezeitraum durch höhere Sparraten ausgleichen.
Das Drei-Säulen-Modell
Die deutsche Altersvorsorge ist in drei Säulen gegliedert. Sie schließen sich nicht aus — eine tragfähige Absicherung entsteht meist erst im Zusammenspiel.
1. Säule: Gesetzliche Vorsorge
Die gesetzliche Rentenversicherung bildet für die meisten Menschen das Fundament. Sie funktioniert im Umlageverfahren: Die heute Beschäftigten finanzieren die laufenden Renten. Wie hoch deine spätere Rente ausfällt, hängt von Beitragsjahren und Einkommen ab. Zur ersten Säule zählen auch die Beamtenversorgung und berufsständische Versorgungswerke.
2. Säule: Geförderte Vorsorge
Die geförderte Vorsorge baut auf der ersten auf und nutzt den staatlichen Hebel: Zulagen, Steuervorteile oder Arbeitgeberzuschüsse. Dazu gehören die betriebliche Altersvorsorge, die Riester- und Rürup-Rente sowie ab 2027 das neue Altersvorsorgedepot. Im Gegenzug ist das Kapital meist langfristig gebunden.
3. Säule: Private Vorsorge
Die private Vorsorge ist die flexible, ungeförderte Säule — etwa ein ETF-Sparplan, Festgeld, eine Immobilie oder eine private Rentenversicherung. Sie bekommt keine direkte Förderung, lässt dir aber die größte Freiheit bei Höhe, Laufzeit und Verfügbarkeit.
Wie viel Geld brauche ich im Alter?
Die häufigste Frage hat keine pauschale Antwort, aber eine bewährte Faustregel: Im Ruhestand brauchst du grob etwa 80 Prozent deines letzten Nettoeinkommens, um deinen Lebensstandard zu halten. Der Bedarf liegt unter 100 Prozent, weil im Alter typischerweise einige Ausgaben wegfallen — etwa Beiträge zur Altersvorsorge selbst, oft die Raten fürs abbezahlte Eigenheim oder Kosten für den Arbeitsweg. Andere Posten wie Gesundheit oder Freizeit können dagegen steigen.
Ein vereinfachtes Beispiel zur Veranschaulichung: Wer zuletzt netto 2.500 Euro im Monat zur Verfügung hatte, sollte im Ruhestand etwa 2.000 Euro einplanen. Liefert die gesetzliche Rente davon beispielsweise 1.300 Euro, bleibt eine Lücke von rund 700 Euro im Monat, die aus eigener Vorsorge gedeckt werden muss. Die genauen Zahlen sind individuell — sie hängen von Wohnsituation, Gesundheit und Lebensstil ab.
Die Versorgungslücke verstehen
Die Versorgungslücke (oder Rentenlücke) ist der Kern jeder Vorsorgeplanung: Sie ist die Differenz zwischen deinem voraussichtlichen Bedarf im Alter und dem, was die gesetzliche Rente leistet. Erst wenn du diese Lücke kennst, kannst du sinnvoll entscheiden, wie viel du zusätzlich sparen musst. Eine erste Orientierung liefert deine jährliche Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung, die deine voraussichtliche Rente ausweist.
Den Bedarf und die Lücke überschlägig zu ermitteln, ist der wichtigste erste Schritt — wichtiger als die Wahl eines konkreten Produkts. Unser Rentenlücken-Rechner hilft dir dabei, eine grobe Größenordnung zu bestimmen.
Wie viel sollte ich sparen?
Auch hier gibt es keine feste Regel, sondern eine Orientierung: Viele Fachleute nennen eine Sparquote von etwa zehn bis fünfzehn Prozent des Nettoeinkommens für die gesamte Altersvorsorge, verteilt auf die verschiedenen Säulen. Wer früh beginnt, kommt mit dem unteren Rand aus; wer spät startet, muss mehr zurücklegen.
Wichtiger als die exakte Prozentzahl ist, dass die Sparrate dauerhaft tragbar ist. Eine Quote, die dich in finanzielle Enge bringt und nach einem Jahr scheitert, nützt weniger als ein kleinerer Betrag, den du über Jahrzehnte durchhältst. Eine sinnvolle Reihenfolge: zuerst die volle Förderung mitnehmen — etwa den Arbeitgeberzuschuss zur betrieblichen Altersvorsorge —, dann flexibel und kostenbewusst ergänzen.
- Notgroschen zuerst: Bevor du langfristig anlegst, gehören zwei bis drei Nettogehälter als Reserve auf ein Tagesgeldkonto.
- Förderung ausschöpfen: „Geschenktes“ Geld vom Arbeitgeber oder Staat erzielt eine Rendite, die freies Sparen kaum erreicht.
- Kosten im Blick behalten: Hohe Vertragskosten zehren über die Jahre einen großen Teil der Rendite auf.
- Breit streuen: Mehrere Bausteine und eine breite Anlage senken das Risiko gegenüber einer einzigen Lösung.
Wann sollte ich anfangen?
So früh wie möglich. Der Grund ist der Zinseszinseffekt: Erträge, die wieder angelegt werden, erwirtschaften selbst wieder Erträge. Über lange Zeiträume wächst das Kapital dadurch nicht linear, sondern beschleunigt. Wer mit Mitte zwanzig beginnt, lässt dem Effekt vier Jahrzehnte Zeit und muss monatlich deutlich weniger zurücklegen als jemand, der erst mit fünfzig startet.
Aber auch ein später Start lohnt sich noch: Selbst mit fünfzig bleiben oft mehr als anderthalb Jahrzehnte bis zum Ruhestand — genug, um die Lücke spürbar zu verkleinern. Wer schon mitten im Berufsleben steht, sollte gezielt prüfen, welche geförderten Wege sich noch nutzen lassen.
Die ersten Schritte
Vorsorge wirkt schnell überfordernd. In der Praxis genügt es, der Reihe nach vorzugehen:
- Bestandsaufnahme: Renteninformation prüfen und den eigenen Bedarf im Alter überschlagen.
- Lücke berechnen: Mit dem Rentenlücken-Rechner die Größenordnung bestimmen.
- Säulen sortieren: Klären, welche geförderten Bausteine (bAV, Riester, Rürup, ab 2027 Altersvorsorgedepot) infrage kommen.
- Privat ergänzen: Den verbleibenden Bedarf mit flexibler privater Vorsorge decken.
Einen vollständigen Überblick über alle Bausteine und Anlageformen findest du auf unserer Seite zur Altersvorsorge im Überblick.