Die geförderte Vorsorge ist die zweite Säule der Altersvorsorge: Der Staat unterstützt deinen Vermögensaufbau mit Zulagen, Steuervorteilen oder Arbeitgeberzuschüssen. Dazu zählen die betriebliche Altersvorsorge, die Riester-Rente, die Rürup-/Basisrente und ab 2027 das neue Altersvorsorgedepot. Welche Förderung sich lohnt, hängt von Job, Familie und Einkommen ab.
Was ist geförderte Vorsorge?
Die vier Förderwege
Reform 2027
Für wen lohnt sich was?
Typische Fehler
Häufige Fragen
Die gesetzliche Rente allein reicht für die meisten Menschen nicht, um den gewohnten Lebensstandard im Alter zu halten. Genau hier setzt die geförderte Vorsorge an: Wer zusätzlich privat oder über den Betrieb spart, bekommt vom Staat etwas dazu — in Form von Zulagen, Steuerersparnis oder Zuschüssen des Arbeitgebers. Dieser Hebel ist der entscheidende Unterschied zur rein privaten Vorsorge ohne Förderung. Stand: Juni 2026.
Was bedeutet „geförderte Vorsorge“?
Geförderte Vorsorge heißt: Der Staat beteiligt sich an deinem Sparen fürs Alter, weil er die zusätzliche Vorsorge politisch gewollt unterstützt. Die Förderung kann auf drei Wegen erfolgen — über direkte Zulagen (wie bei Riester und künftig beim Altersvorsorgedepot), über Steuervorteile (wie bei der Rürup-Rente) oder über Sozialabgaben- und Steuerersparnis plus Arbeitgeberzuschuss (wie bei der betrieblichen Altersvorsorge). Im Gegenzug ist das Kapital in der Regel langfristig gebunden und erst im Ruhestand verfügbar.
Die vier Wege der geförderten Vorsorge
Vier Bausteine bilden die zweite Säule. Sie schließen sich nicht aus — viele Menschen kombinieren mehrere davon.
Betriebliche Altersvorsorge (bAV)
Über den Arbeitgeber sparst du direkt aus dem Bruttogehalt. Die Beiträge sind in den Grenzen des Gesetzes steuer- und sozialabgabenfrei, und seit 2019 muss der Arbeitgeber bei Entgeltumwandlung einen Zuschuss von in der Regel 15 Prozent leisten. Der große Vorteil: Du sparst sofort Steuern und Sozialabgaben, und in vielen Unternehmen legt der Arbeitgeber noch freiwillig etwas obendrauf. Zu beachten ist, dass die spätere Betriebsrente versteuert wird und Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung anfallen können. Mehr dazu auf der Seite zur betrieblichen Altersvorsorge.
Riester-Rente
Die Riester-Rente kombiniert eine Grundzulage mit Kinderzulagen und einer möglichen Steuerersparnis. Sie eignet sich vor allem für Familien mit Kindern und gut Verdienende mit Steuervorteil. In der Kritik standen über Jahre die teils hohen Kosten und die geringe Flexibilität. Für Neuabschlüsse läuft die Riester-Rente 2027 aus — bestehende Verträge bleiben jedoch geschützt und behalten ihre Förderung. Details auf der Seite zur Riester-Rente.
Rürup-/Basisrente
Die Rürup-Rente ist vor allem für Selbstständige und gut verdienende Angestellte interessant, die hohe Beiträge steuerlich absetzen möchten. Die Beiträge sind im Rahmen der gesetzlichen Höchstbeträge zu einem sehr hohen Anteil als Sonderausgaben abziehbar. Im Gegenzug ist die Rürup-Rente besonders streng gebunden: Sie zahlt ausschließlich eine lebenslange Rente, ist nicht kündbar, nicht beleihbar und nicht vererbbar im klassischen Sinn. Mehr auf der Seite zur Rürup-Rente.
Altersvorsorgedepot (ab 2027)
Der jüngste Baustein: ein gefördertes Wertpapierdepot mit Fonds und ETFs, das die Riester-Rente für Neuabschlüsse ablöst — erstmals auch für Selbstständige offen. Statt einer Beitragsgarantie steht hier die Renditechance des Kapitalmarkts im Vordergrund, abgesichert durch einen Kostendeckel beim Standarddepot. Wie es funktioniert und wie hoch die Zulage ausfällt, erklärt unsere Seite zur Reform 2027 und zum Altersvorsorgedepot.
Die vier Förderwege im Überblick
Welcher Baustein zu wem passt, lässt sich grob so zusammenfassen:
- Betriebliche Altersvorsorge — Stärke: Arbeitgeberzuschuss plus Steuer- und Abgabenersparnis sofort. Ideal für Angestellte, deren Arbeitgeber mitzahlt.
- Riester-Rente — Stärke: Zulagen, vor allem mit Kindern. Für Bestandskunden weiter relevant, für Neuabschlüsse durch die Reform aber kaum noch.
- Rürup-/Basisrente — Stärke: hoher steuerlicher Abzug der Beiträge. Ideal für Selbstständige und Gutverdiener mit Steuerlast, die eine reine Rente akzeptieren.
- Altersvorsorgedepot — Stärke: Renditechance des Kapitalmarkts plus Zulage, erstmals auch für Selbstständige. Ideal für alle mit langem Anlagehorizont, die auf eine Garantie verzichten können.
Keiner dieser Wege ist pauschal „der beste“. Entscheidend ist, welcher zur eigenen Beschäftigung, Familiensituation und Steuerlast passt — oft ist eine Kombination sinnvoll.
Reform 2027: Das ändert sich
Mit der Reform der geförderten privaten Altersvorsorge stellt der Gesetzgeber die zweite Säule neu auf. Ab dem 1. Januar 2027 tritt das renditeorientierte Altersvorsorgedepot an die Stelle neuer Riester-Verträge. Die Zulage wird beitragsproportional, ein Standarddepot mit Kostendeckel von 1,0 Prozent soll die Vorsorge günstiger machen, und die Beitragsgarantie entfällt zugunsten höherer Renditechancen. Für viele Sparer ist das die wichtigste Änderung in der geförderten Vorsorge seit Einführung der Riester-Rente.
Für wen lohnt sich welche Förderung?
Eine pauschale Antwort gibt es nicht — entscheidend sind Beschäftigung, Familie und Steuersituation. Als grobe Orientierung gilt:
- Angestellte mit Arbeitgeberzuschuss: Die betriebliche Altersvorsorge ist oft der erste Hebel, weil der Chef mitzahlt.
- Familien mit Kindern: profitieren stark von Zulagen — bisher über Riester, künftig über die Kinderzulage im Altersvorsorgedepot.
- Selbstständige und Freiberufler: Rürup für den Steuervorteil, ab 2027 zusätzlich das Altersvorsorgedepot.
- Junge Berufseinsteiger: langer Anlagehorizont plus Berufseinsteigerbonus sprechen für renditeorientierte Lösungen.
Wer unsicher ist, sollte zuerst die eigene Versorgungslücke kennen. Unser Rentenlücken-Rechner liefert dafür eine erste Orientierung.
Wie viel sollte ich in die geförderte Vorsorge stecken?
Eine feste Faustregel gibt es nicht — sinnvoll ist, was du dauerhaft durchhalten kannst, ohne in finanzielle Enge zu geraten. Als grobe Orientierung nennen viele Fachleute eine Sparquote von etwa zehn bis fünfzehn Prozent des Nettoeinkommens für die gesamte Altersvorsorge, verteilt auf die verschiedenen Säulen. Wichtiger als die exakte Höhe ist, früh anzufangen: Wer mit Mitte zwanzig beginnt, lässt dem Zinseszinseffekt Jahrzehnte Zeit und muss monatlich deutlich weniger zurücklegen als jemand, der erst mit fünfzig startet.
Bei der geförderten Vorsorge gilt zusätzlich: Hole zuerst die volle Förderung ab, bevor du ungefördert sparst. Den maximalen Arbeitgeberzuschuss bei der bAV oder die volle Zulage solltest du möglichst ausschöpfen, denn dieses „geschenkte“ Geld erzielt eine Rendite, die freies Sparen kaum erreicht. Erst danach lohnt der Blick auf zusätzliche, flexible Bausteine. Vor jeder Entscheidung steht aber die ehrliche Bestandsaufnahme: Wie groß ist meine Lücke überhaupt?
Wie die zweite Säule ins Gesamtbild passt
Die geförderte Vorsorge ist nur ein Teil des Ganzen. Sie baut auf der gesetzlichen Rente als erster Säule auf und wird durch die freie, ungeförderte private Vorsorge als dritter Säule ergänzt. Das bewährte Bild der drei Säulen hilft, die eigene Vorsorge zu sortieren: Die gesetzliche Rente bildet das Fundament, die geförderte Vorsorge nutzt den staatlichen Hebel, und die private Vorsorge sorgt für Flexibilität und zusätzliche Rendite. Erst im Zusammenspiel entsteht eine tragfähige Absicherung fürs Alter.
Typische Fehler bei der geförderten Vorsorge
Drei Stolperfallen begegnen uns immer wieder: zu hohe Kosten, die die Förderung auffressen; blindes Vertrauen in Garantien, die bei niedrigen Zinsen kaum Rendite lassen; und verschenkte Arbeitgeberzuschüsse, weil die bAV nicht genutzt wird. Wer Kosten, Förderung und Flexibilität nüchtern vergleicht, holt aus der zweiten Säule deutlich mehr heraus.
Schritt für Schritt zur passenden Förderung
Statt sich von Werbung treiben zu lassen, lohnt ein nüchternes Vorgehen in vier Schritten:
- 1. Versorgungslücke ermitteln: Wie groß ist der Abstand zwischen gewünschtem Ruhestandseinkommen und gesetzlicher Rente? Der Rentenlücken-Rechner gibt eine erste Orientierung.
- 2. Arbeitgeber fragen: Gibt es eine betriebliche Altersvorsorge mit Zuschuss? Dieser Hebel ist oft der wirksamste.
- 3. Förderung zuordnen: Familien prüfen Zulagen, Selbstständige den Steuervorteil der Rürup-Rente oder das Altersvorsorgedepot.
- 4. Kosten vergleichen: Bei sonst ähnlichen Produkten entscheidet die Kostenquote über Jahrzehnte spürbar mit.
So wird aus einem unübersichtlichen Angebot eine bewusste Entscheidung, die zur eigenen Lebenssituation passt.